Philip K. Dick: Was ist die Wirklichkeit?

„Vielleicht lebt jeder Mensch in einer eigenen privaten und einzigartigen Welt, einer Welt, die anders ist als die Welten, in denen alle anderen Menschen leben und ihre Erfahrungen machen. Und das führt mich zu der Frage: Wenn die Wirklichkeit von Person zu Person eine andere ist, kann man dann noch von Wirklichkeit im Singular reden, oder sollten wir nicht besser von Wirklichkeiten im Plural sprechen? Und wenn es eine Vielzahl von Wirklichkeiten gibt – sind einige davon dann eventuell realer (oder wahrer) als andere? Was ist mit der Welt eines Schizophrenen? Vielleicht ist sie genauso wirklich wie unsere Welt. Möglicherweise können wir gar nicht behaupten, daß wir in der Wirklichkeit verwurzelt sind, der Schizophrene aber nicht, sondern wir müßten vielmehr sagen, seine Wirklichkeit ist von der unsrigen so verschieden, daß er sie uns nicht begreiflich machen kann und wir ihm die unsrige auch nicht. Das Problem liegt also darin, daß bei einem zu großen Auseinanderklaffen der Erlebnisweisen der subjektiven Welten die Kommunikation zusammenbricht … und das ist das eigentliche Leiden.“

Aus: Dick, Philip K.: Wie man eine Welt erbaut, die nicht nach zwei Tagen wieder auseinanderfällt. In Heiko Arntz (Hrsg.): Der Philip K. Dick Companion. Leipzig: Haffmans Verl. bei Zweitausendeins, 2012. 2. Aufl. S. 33