Zeit

„Die Zeit bewegte sich in zwei Richtungen, denn jeder Schritt in die Zukunft beinhaltete eine Erinnerung an die Vergangenheit, und auch wenn Ferguson noch nicht einmal fünfzehn war, hatte er schon genug Erinnerungen angesammelt, um zu wissen, dass die Welt um ihn herum ständig von der Welt in seinem Inneren geprägt wurde, so wie das Erleben der Welt auch bei allen anderen von ihren eigenen Erinnerungen geprägt wurde, und auch wenn alle Menschen durch den Raum, den sie teilten, miteinander verbunden waren, unterschied ihre jeweilige Reise sich durch die Zeit, soll heißen, jeder Einzelne lebte in einer etwas anderen Welt als seine Mitmenschen.“

Paul Auster: 4 3 2 1, S. 506

 

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8 Kommentare

    1. Schwer, das so allgemein zu sagen. Es ist ein Unterhaltungsroman, geschrieben von jemandem, der sein Handwerk wirklich versteht, Auster ist ein ausgezeichneter Erzähler. Erzählt wird die Entwicklung eines Jungen in New Jersey/New York der 50er und 60er Jahre, und zwar in vier Variationen (eigentlich in drei und einviertel, da der Protagonist in einer Variation bereits sehr früh stirbt). Obwohl in allen Variationen die selben Personen auftauchen, die Leben aber größtenteils anders verlaufen, kommt man nicht durcheinander, Auster macht das sehr geschickt. Diese Anordnung ist aber auch schon das einzige moderne Stilmittel, darüber hinaus ist der Roman ganz traditionell erzählt, in der Tradition von Charles Dickens, und da der Name ein paarmal fällt, vermute ich, auch angelehnt an dessen Romane „David Copperfield“ und „Charles Dickens“.
      Irgendwo habe ich gelesen, der Roman sei auch autobiographisch. Er ist auf jeden Fall ein „Jungs“-Roman – geschildert werden die Nöte und Wirrungen eines heranwachsenden Jungen, und eben nicht die eines Mädchens.
      Ich mußte jetzt eine kleine Pause machen, weil ich ein paar Tage verreist war, aber ich freu mich schon darauf, daß ich nachher endlich weiterlesen kann.

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      1. Danke für die ausführliche Antwort….das ist dann eher nichts für mich…Unterhaltungsromane sind nicht so meins…gerade entdeckte ich die Vedischen Schriften und widme mich dann lieber diesen…aber schön, dass Du Dich darauf freust weiterzulesen, so ging es mir in der Kindheit mit den Indianerbüchern, wie süchtig war ich danach…

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        1. Genau das habe ich vermutet, deshalb habe ich so ausführlich davon erzählt.
          Romane sind oft tatsächlich Zeitverschwendung, vermutlich liebe ich sie gerade deshalb so sehr. Wenn ich sie nicht hätte, würde ich wahrscheinlich zu ungesünderen Suchtmitteln greifen.;-) Und manchmal entdeckt man kleine Weisheiten, die man eigentlich schon kennt, aber es ist schön, daß sie einem in einer gut geschriebenen Geschichte erneut präsentiert werden.

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