Springen

„Der Buschmann schlägt mithilfe seiner Machete mit heftigen Armbewegungen eine Spur durch das dichte Blattwerk. Mit Überzeugung, aber ohne eine Ahnung, was hinter der nächsten Astgabel wartet.
Unsereins ist mit asphaltierten Straßen, geregelten Kreuzungen und Haftpflichtversicherungen versorgt und zaudert bei jedem kleinen Schritt ins Ungewisse, als ginge es ums Leben. Da muss schon auf den geebneten Wegen aus allen Himmelsrichtungen eine Legion schicksalshafter, lebensbedrohlicher Dampfwalzen à la Krankheit, Konkurs und Katastrophen anderer Art daherrollen, damit so ein selbstverliebt dahinrottender Erdenbürger auf die Idee kommt, auf seinem Weg auch springen zu können.
Meistens wird denen, die den Sprung wagen, vorgehalten, sie hätten einen Sprung in der Schüssel. Nur wehe, sie landen wohlbehalten auf einer anderen Ebene, dann springen die ehemaligen Nörgler, Miesmacher und Besserwisser mit gierig ausgestreckten Klauen hinterher.“

Aus: Thomas Raab: Der Metzger sieht rot. S. 317

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2 Kommentare

    1. Ja, eigentlich könnten die Metzger-Romane unter der Rubrik laufen: Heiterer Kriminalroman. Aber ich bin regelmäßig geplättet von Raabs Sprache, und dann immer diese kleinen essayistischen Betrachtungen zwischendurch, das ist wirklich sehr reizvoll.

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