Liebeslürik eines Journalisten

„Er ist sorgfältig unrasiert und wunderbar gefönt.
Er betrachtet uns mit riesigen blauen Augen
wie aus unendlicher Ferne.
Seine vollen Lippen sind geschlossen
wie die einer Sphinx.
Dabei toben auf der Stirn wahre Stürme.
Bald wird die Dunkelheit, die hinter dem Kragen
seines asiatisch anmutenden Hemds aufsteigt,
ihn ganz verschlucken.

Bei dem Mann, dessen dramatisch umwölkte Brillanz
auf dem Cover von Time
so meisterhaft
inszeniert
ist,
handelt es sich um keinen anderen als
Jonathan Franzen …“

Jörg Häntzschel, sueddeutsche.de, 16.08.2010

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11 Kommentare

  1. Ich mag den. A) Stilistisch und B) weil er sagt, nichts sei für ihn unwiderstehlicher als eine Frau, die liest.
    Das aus einem Männermund zu hören, freut das Feministinnenherz. Ach ja, und er hat eine Schwäche für Deutsch(e?). Leider lese ich gerade „not the richest or the most famous“- schade, sonst hätte ich mir alles mögliche vorstellen können. (Erstmal zu Fielmann)

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    1. Ja, ich mag den auch, die „Korrekturen“ fand ich erstklassig, und ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, mir das neue Buch trotz teurer HC-Ausgabe zu kaufen.
      Ob der Erguß von Jörg Häntzschel ironisch gemeint ist? Ich befürchte ja, daß nicht.

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      1. Tja, schwer zu sagen. Dasselbe hab ich mich auch gefragt.
        Was den Franzen angeht: angesichts meiner derzeitigen Finanzlage (würgx) werde ich das erstmal leihen. „Korrekturen“ sind genial, noch lieber habe ich „The comfort zone“ gelesen.

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          1. Die genaue Beschreibung seiner Kindheitsempfindungen, ich konnte das sehr gut nachvollziehen. Ähnlich wie bei Doris Lessing. Ich mag es sehr, wenn Menschen gelernt haben, da mit einem guten, genauen Blick draufzusehen und auch Details aufzuzählen. Ich mag es immer sehr, wenn Leute zugeben, daß sie nicht der „Checker“ waren. Ich hab glaube ich eine Schwäche für „Randexistenzen“.

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  2. erst im frühjahr hatte ich mir die korrekturen im amerikanischen original gekauft, es lag da so rum in diesem gebrauchtwaren-laden und ich blätterte darin und las ein wenig und fand es wirklich gut, bin dann aber wegen einiger anderer bücher nicht dazzgekommen weiterzulesen, was ich vielleicht dann doch im winter tun könnte, nachdem du mich hier wieder an franzen erinnerst. und nun ist der also auch noch unter die lyriker gegangen?

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    1. Nein nein – der Lüriker in diesem Fall ist der Journalist Jörg Häntzschel, dessen sich auf das Time-Cover beziehenden Eingangssätzen seines hymnischen Prosaartikels ich eine lyrische Form gegeben habe. Von Frantzen ist jüngst ein neuer Roman erschienen, „Freiheit“ heißt er. Auf der einen Seite wird ein unglaublicher Rummel über ihn veranstaltet, Obama bekam z.B. ein Vorabexemplar geschenkt, was dem Buch natürlich höhere Weihen verleiht und Speichllecker nach sich zieht. Auf der anderen Seite schreit ein solcher Hype geradezu nach professionellen Lesern, die sagen: Och nö, so gut isser gar nicht, wie z.B. in der neuesten Zeit:
      http://www.zeit.de/2010/37/L-B-Franzen

      Jörg Häntzschel macht es nicht ungeschickt: Wird die Sau durchs Dorf getrieben, kann er grinsen und sagen, sein Hymnus sei natürlich ironisch gemeint. Wird die Sau aber auf den Thron gehoben, hat er es ja gleich gewußt.

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      1. ja, alles etwas verwirrend hier bei dir, und was ist eigentlich lürik?, aber wenn ich ein buch lese, intressiert mich erst mal nur der text, dann eventuell etwas über die schreibende person, aber was andere darüber zu lyrisieren haben, hat für mich kaum wert, denn wie könnte das die lektüre beeinträchtigen?

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        1. Ja, ich merk auch schon, so recht kommt meine Intention nicht rüber, was ich mit diesem Eintrag eigentlich sagen wollte: Eigentlich geht es nicht um Franzen, sonder um einen Artikel über ihn, den Jörg Häntzschel in der Süddeutschen geschrieben hat. Er schreibt dermaßen verschwurbelt und überschäumend über Franzens Porträt auf der Time, daß ich belustigt dachte, das muß man nur in Gedichtform bringen, dann wird klar, was für ein schlechter mieser Stil das ist. Um das zusätzlich zu verdeutlichen, nannte ich das nicht Lyrik, sondern Lürik, denn eigentlich ist das ja kein Gedicht, sondern zweideutige Prosa mit lyrischen Stilmitteln (Rhythmus, Metaphern).

          Darüber hinaus finde ich Buchbesprechungen durchaus informativ, besonders, wenn man verschiedene zum selben Buch liest. Der Buchmarkt ist doch schier unüberschaubar, und ich habe durch die Medien schon einige gute Ratschläge bekommen (allerdings auch schlechte).

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